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Hunde-Gassi-Gehen ist haushaltsnahe Dienstleistung
Aufwendungen für das Ausführen eines Hundes sind als haushaltsnahe Dienstleistungen im Sinne von § 35a EStG anzusehen.

Dies hat das FG Hessen mit Urteil v. 01.02.2017 - 12 K 902/16 entschieden.

Die Beteiligten stritten darum, ob Aufwendungen, die der Klägerin durch die Inanspruchnahme eines Hundegassiservices entstanden sind, zu einer Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen im Sinne des § 35a Abs. 2 EStG führen.

Der Begriff „haushaltsnahe Dienstleistung” ist gesetzlich nicht näher bestimmt. Nach der Rechtsprechung des BFH müssen die Leistungen eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweisen bzw. damit im Zusammenhang stehen. Dazu gehören hauswirtschaftliche Verrichtungen, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts oder entsprechend Beschäftigte erledigt werden und in regelmäßigen Abständen anfallen (BFH-Urteil vom 13. Juli 2011, VI R 61/10, BStBl II 2012, 232). Der Begriff „haushaltsnah” ist hierbei sinnverwandt mit dem Begriff „haushaltswirtschaftlich” anzusehen. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten sind solche, die üblicherweise zur Versorgung der dort lebenden Familie in einem Privathaushalt erbracht werden. Dazu gehören unter anderem Einkaufen von Verbrauchsgütern, Kochen, Wäschepflege, Reinigung und Pflege der Räume, des Gartens und auch Pflege, Versorgung und Betreuung von Kindern und kranken Haushaltsangehörigen (BFH-Urteil vom 20. März 2014 VI R 55/12, BStBl II 2014, 880, m.w.N.).

Unter Zugrundelegung dieser Grundsätze sind auch die Leistungen, die für die Versorgung und Betreuung eines in den Haushalt des Steuerpflichtigen aufgenommenen Hundes erbracht werden, grundsätzlich haushaltsnah. Denn Tätigkeiten wie Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Hundes fallen regelmäßig an und werden typischerweise durch den Steuerpflichtigen selbst oder andere Haushaltsangehörige erledigt (BFH-Urteil vom 3. September 2015 VI R 13/15, BStBl II 2016, 47; FG Münster, Urteil vom 25. Mai 2012 14 K 2289/11, Entscheidungen der FG - EFG - 2012, 1674). „In” einem Haushalt wird die haushaltsnahe Dienstleistung erbracht, wenn sie „im räumlichen Bereich es vorhandenen Haushalts” geleistet wird. Hierzu gehört zunächst die Wohnung des Steuerpflichtigen, aber auch der dazugehörige Grund und Boden (BFH-Urteil vom 20. März 2014 VI R 55/12, BStBl II 2014, 880). Nach Auffassung des BFH ist der Begriff „im Haushalt” daher räumlich-funktional auszulegen (BFH-Urteil vom 20. März 2014 VI R 55/12, BStBl II 2014, 880). Deshalb werden die Grenzen des Haushalts im Sinne des § 35a Abs. 2 Satz 1 EStG nicht ausnahmslos durch die Grundstücksgrenzen abgesteckt. Es muss sich dabei allerdings um Tätigkeiten handeln, die ansonsten üblicherweise von Familienmitgliedern erbracht und in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt werden und dem Haushalt dienen.

Die raumbezogene Betrachtungsweise des FG Münsters, wonach die haushaltsnahe Dienstleistung – das Ausführen eines Hundes – nicht „im Haushalt” erbracht wurde, vermag unter Berücksichtigung dieser BFH-Rechtsprechung nicht zu überzeugen; denn beim „Gassi gehen” handelt es sich um eine Leistung mit einem unmittelbar räumlichen Bezug zum Haushalt, die dem Haushalt (dem haushaltszugehörigen Tier) dient.

Gegen das Urteil ist noch eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BFH unter dem Az. VI B 25/17 anhängig.
gepostet: 24. Okt 2017
Eine Taube macht noch keinen Sommer und ein Brötchen noch lange kein Frühstück
In einem jüngst veröffentlichten Urteil hat sich das Finanzgericht Münster mit der Frage beschäftigt, ob die kostenlose Zurverfügungstellung von trockenen Brötchen durch den Arbeitgeber einen als lohnsteuerlichen Sachbezug zu versteuernde Mahlzeit darstellt.

Wie die Richter ausführten, ist dies nicht der Fall, solange es zusätzlich keinen Belag wie Aufschnitt, Käse, Butter oder Marmelade oder Ähnliches gibt. Dies begründet die Richter damit, dass ein trockenes Brötchen und ein Kaffee wieder nach der Verkehrsanschauung noch umgangssprachlich ein Frühstück darstelle und ein Gastronom, der eine Übernachtung mit Frühstück anbieten würde, sich zurecht einen Mangel entgegenhalten lassen müsse, wenn er anstelle eines Frühstück lediglich ein trockenes Brötchen ohne Belag anbieten würde.

In der arbeitsrechtlichen Qualität verglichen die Richter des FG Münster die gereichten trockenen Brötchen mit üblichen Aufmerksamkeiten wie Plätzchen und Gebäck, dass zum Kaffee gereicht wird.

Quelle: Finanzgericht Münster vom 31. Mai 2017, Aktenzeichen 11 K4108 / 14

www.justiz.nrw.de/nrwe/fgs/muenster/j2017/11_K_4108_14_Urteil_20170531.html
gepostet: 11. Okt 2017
Land Bayern weigert sich, koordinierten Ländererlass zur Erbschaftsteuer zu akzeptieren
Das bayerische Finanzministerium hat mitgeteilt, dass sich Bayern nicht an den mehrheitlich abgestimmten Ländererlassen zu Detailfragen der Erbschaftsteuerreform beteiligt. Die Vorschriften zur Erhebung der Steuer, die in den übrigen 15 Ländern angewandt werden, gelten damit nicht in Bayern.

Das ist ein einmaliger Fall.

Die Finanzministerkonferenz hat sich in ihrer heutigen Sitzung mit dem Vorgehen von Bayern beschäftigt. Die Finanzministerinnen und Finanzminister der Länder erinnerten daran, dass die in den koordinierten Ländererlassen vertretene Rechtsauffassung nicht nur in der fachlichen Abstimmung auf der Ebene der Steuerabteilungen des Bundes und der Länder eine Mehrheit erhalten hat, sondern zuvor auch von der FMK selbst politisch bestätigt worden ist.

Die Finanzministerkonferenz forderte Bayern auf, der Rechtsauffassung der übrigen 15 Länder zu folgen und die Erhebung der Erbschaftsteuer – wie in den übrigen 15 Ländern auch – auf Basis der gemeinsam vereinbarten Grundsätze zu vollziehen. Sollte Bayern dies nicht zeitnah umsetzen, bat die Finanzministerkonferenz den Bundesminister der Finanzen, so rasch als möglich für die Vorlage einer Erbschaftsteuerrichtlinie von Seiten der Bundesregierung zu sorgen, die die Vorschriften der aktuellen Ländererlasse enthält.

Es ist daher davon auszugehen, dass die in den koordinierten Ländererlass zur Erbschaftssteuer vertretenen Rechtsauffassung zeitnah in neue Erbschaft-Steuerrichtlinien umgesetzt werden.
gepostet: 18. Sep 2017
Pauschale Einkommensteuer auf Geschenke doch abzugsfähig!
BMF: Pauschale Einkommensteuer auf Geschenke doch abzugsfähig, solange der Aufwand für Geschenk insgesamt 35 € netto nicht übersteigt

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Was im Privatleben gilt, wird auch im Geschäftsleben praktiziert. Kleine Aufmerksamkeiten an Empfänger aus betrieblichen Anlass sind bis zu einem Betrag von 35 € pro Jahr und Empfänger steuerlich als Betriebsausgaben abzugsfähig. Übersteigt das Geschenk diesen Betrag, kann der Schenker wieder die Vorsteuer aus dem Geschenk in Anspruch nehmen noch den Betrag als Betriebsausgaben abziehen. Unabhängig davon unterliegt das Geschenk bei dem Empfänger jedoch gegebenenfalls der Einkommensteuer als Sachbezug. Um diesen unangenehmen Effekt für den Beschenkten zu vermeiden, kann der Schenker zusätzlich zu dem Geschenk die Einkommensteuer des Beschenkten pauschal nach Paragraph 37b EStG übernehmen.

Wie der BFH nun in einem aktuellen Urteil ( BFH v. 30.03.2017 - IV R 13/14) entschieden hat, zählt dabei der Aufwand der übernommenen Steuer zusätzlich zu den Kosten des eigentlichen Geschenks für die Grenze von 35 €.

Die Übernahme der pauschalen Einkommensteuer nach § 37b EStG für ein Geschenk unterliegt als weiteres Geschenk dem Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG, soweit bereits der Wert des Geschenks selbst oder zusammen mit der übernommenen pauschalen Einkommensteuer den Betrag von 35 € übersteigt.

Das bedeutet, dass die Höchstgrenze für als Betriebsausgaben abzugsfähige Geschenke bei einem Betrag von netto ca. 26,- € (unter Berücksichtigung von Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) liegt, wenn der Schenker auch die pauschale Einkommensteuer des Empfängers übernimmt.

Das Urteil wird durch die Finanzverwaltung im Bundessteuerblatt veröffentlicht.

Allerdings ergänzt um eine Fußnote: Die Finanzverwaltung wendet die Vereinfachungsregelung in Rdnr. 25 des BMF-Schreibens vom 19. Mai 2015 (BStBl I S. 468) weiter an. Dort heisst es zur steuerlichen Behandlung beim Schenker: Bei der Prüfung der Freigrenze des § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 1 Satz 2 EStG ist aus Vereinfachungsgründen allein auf den Betrag der Zuwendung abzustellen. Die übernommene Steuer ist nicht mit einzubeziehen.

Das würde bedeuten, dass die Finanzverwaltung entgegen der Entscheidung des BFH die bisherige (grosszügigere) Verwaltungsauffassung beibehalten möchte.

Quelle: http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Steuern/anwendung-neuer-bfh-entscheidungen.html
gepostet: 13. Sep 2017
Vereine, die Mitglieder geschlechtsbezogen von der Aufnahme ausschließen, sind nicht gemeinnützig!
Ein Verein, die Frauen von der Mitgliedschaft ausschließt, ist nicht gemeinnützig. Nach dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 17. Mai 2017 V R 52/15 scheitert ihre Gemeinnützigkeit daran, dass sie nicht darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit i.S. von § 52 Abs. 1 der Abgabenordnung zu fördern.

Die Entscheidung betrifft eine Vereinigung zur Pflege der Freimaurerei (Loge). Diese nimmt nur Männer als Mitglieder auf. Sie ermöglichte nur diesen das Ritual in den Tempelarbeiten. Streitig war, ob der Ausschluss von Frauen der Gemeinnützigkeit entgegensteht.

Der BFH verneint die Gemeinnützigkeit. Für den Ausschluss von Frauen konnte die Loge weder zwingende sachliche Gründe anführen noch war dies durch kollidierendes Verfassungsrecht gerechtfertigt. Der BFH sah hierin keinen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Loge. Denn der Loge ist es durch die Versagung der Steuervergünstigung nicht verwehrt, nur Männer als Mitglieder auszuwählen und aufzunehmen. Soweit sich die Loge darauf berief, dass katholische Ordensgemeinschaften als gemeinnützig anerkannt würden, obwohl sie ebenfalls Männer oder Frauen von der Mitgliedschaft ausschließen, verweist der BFH darauf, dass die Förderung mildtätiger oder kirchlicher Zwecke keine Förderung der Allgemeinheit erfordert.

Die Entscheidung ist zu einer traditionellen Freimauerloge ergangen.

Das Urteil des BFH könnte sich aber auch auf Vereine auswirken, die die Gemeinnützigkeit in Anspruch nehmen, aber wie z.B. Schützenbruderschaften, Männergesangsvereine oder Frauenchöre, die Männer oder Frauen ohne sachlichen Grund von der Mitgliedschaft ausschließen.
gepostet: 04. Sep 2017
Scheidungskosten seit 2013 steuerlich nicht mehr abzugsfähig!
Scheidungskosten seit 2013 steuerlich nicht mehr abzugsfähig!

Scheidungskosten sind anders als nach der bisherigen Rechtsprechung aufgrund einer seit dem Jahr 2013 geltenden Neuregelung nicht mehr als außergewöhnliche Belastung abziehbar. Mit Urteil vom 18. Mai 2017 VI R 9/16 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass die Kosten eines Scheidungsverfahrens unter das neu eingeführte Abzugsverbot für Prozesskosten fallen und damit im Ergebnis gleich mehrere offene Revisionsverfahren entschieden.

Seit der Änderung des § 33 Einkommensteuergesetzes (EStG) im Jahr 2013 sind Aufwendungen für die Führung eines Rechtsstreits (Prozesskosten) grundsätzlich vom Abzug als außergewöhnliche Belastung ausgeschlossen. Nach § 33 Abs. 2 Satz 4 EStG greift das Abzugsverbot nur dann nicht ein, wenn der Steuerpflichtige ohne die Aufwendungen Gefahr liefe, seine Existenzgrundlage zu verlieren und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in dem üblichen Rahmen nicht mehr befriedigen zu können.

Auf diese Ausnahmeregelung berief sich die Klägerin. Sie machte in ihrer Einkommensteuererklärung Aufwendungen für ein Scheidungsverfahren als außergewöhnliche Belastung geltend.

Anders als das Finanzgericht sah der BFH die Voraussetzungen des § 33 Abs. 2 Satz 4 EStG in einem solchen Fall nicht als gegeben an. Der Ehegatte wende die Kosten für ein Scheidungsverfahren regelmäßig nicht zur Sicherung seiner Existenzgrundlage und seiner lebensnotwendigen Bedürfnisse auf. Hiervon könne nur ausgegangen werden, wenn die wirtschaftliche Lebensgrundlage des Steuerpflichtigen bedroht sei. Eine derartige existenzielle Betroffenheit liege bei Scheidungskosten nicht vor, selbst wenn das Festhalten an der Ehe für den Steuerpflichtigen eine starke Beeinträchtigung seines Lebens darstelle. Zwar hat der BFH die Kosten einer Ehescheidung bis zur Änderung des § 33 EStG im Jahr 2013 als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt. Dies sei nach der Neuregelung jedoch nicht länger möglich. Denn dadurch habe der Gesetzgeber die Steuererheblichkeit von Prozesskosten auf einen engen Rahmen zurückführen und Scheidungskosten vom Abzug als außergewöhnliche Belastung bewusst ausschließen wollen.
gepostet: 21. Aug 2017
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